Andere Browser | Ein Blick über den Tellerrand

von Henry Zeitler

Manchmal muss ein Webworker den Blick über den Browserrand wagen. Als eingefleischter Chrome-User habe ich das getan und mir ein paar alternative Browser genauer angesehen. Viele bauen zwar auf die Engines und APIs der Großen, aber meine Auswahl der interessantesten und ihre Benchmark-Tests solltet ihr euch unbedingt mal anschauen…

Der Benchmark-Test

Ich lege viel Wert auf die Geschwindigkeit und Performance eines Browser. Tools wie den Firebug/Webdeveloper für den Firefox oder die Chrome Developer Tools gehören sowieso schon zum Standard der guten Browser. Deshalb zuerst der Benchmark-Test von Peacekeeper für die Speedfreaks mit der Übersicht der getesteten Browser.

Getestet habe ich auf meinem Laptop. Ein Toshiba Satellite mit Windows Vista und einem AMD Athlon X2 Dual-Core 2.00 GHz. Hier die Ergebnisse:

Benchmarktest von peacekeeper
Ergebnisse des Benchmark-Tests

 

Meine Neuentdeckung: SRWare Iron

Der Gewinner des Benchmark-Tests heißt Iron und kommt aus dem Hause SRWare. Iron basiert auf der Engine von Chrome (Chromium), allerdings verzichtet es auf die Compile-Flags von seinem Papa und setzt 100prozentig auf Geschwindigkeit. Das ist spürbar.

Zugunsten des Datenschutzes wird bei Iron auf Datenübermittlungen an Google komplett verzichtet. Sogar der Auto-Updater von Google, der sich beim Systemstart automatisch aktiviert ist nicht mehr vorhanden. Das kann natürlich auch nach hinten losgehen, denn so ist der User auf die Updates von SRWare angewiesen und muss sie manuell durchführen.

Screenshot Iron
Der Browser Iron unterscheidet sich äußerlich nicht von Chrome

 

Nur für Facebooker interessant: RockMelt

Ein Social-Network-Browser ist eine gute Idee. Schade nur, wenn er sich hauptsächlich auf Facebook konzentriert. Und genau das ist die Ausrichtung von RockMelt. RockMelt basiert ebenfalls auf Chromium und hat somit alle Vorzüge der Performance, die Chrome bietet.

Schon beim Öffnen wird der User nach seinem Facebook Login gefragt. Der Browser kann zwar auch ohne einen Account benutzt werden, macht dann aber nicht mehr wirklich Sinn.

Screenshot von RockMelt
RockMelt. Interessant für Facebook-Fans

 

Schon wieder Chromium: Comodo Dragon

Auch der Comodo Dragon Internet Browser ist ein Derivat des Chrome-Browsers. Der Dragon setzt auf Sicherheit beim Surfen. Er soll optimal gegen Malware gewappnet sein und die Privatsphäre des User schützen. Cookies und Web-Spies werden über die Voreinstellungen verschärft geblockt und die Spuren, die im Internet normalerweise hinterlassen werden, verwischt. Ideal für Surfer mit extremen Sicherheitsbedürfnis.

Screenshot Comodo Dragon
Für Sicherheitsfanatiker: Comodo Dragon

 

Maxthon 3: Der Browser mit Dual Display Engine

Dual Display Engine? Maxthon preist seinen Browser als schnellsten im Web durch Dual Display Engine an. Die Dual Display Engine bewirkt, dass Seiten automatisiert entweder mit der Trident Engine des Internet Explorers oder mit der Webkit Engine (Safari, Chrome) geladen werden. So können Performance-Lücken aufgefangen werden. Der Benchmark-Test widerspricht dem aber eher.

Maxthon 3 ist aber auch wegen seiner mitgelieferten Tools interessant. Es gibt Entwickler-Tools, ein Notebook, ein Screenshot-Tool, mit dem auch Ausschnitte einer Website abfotografiert werden können und einen browsereigenen Feedreader.

Screenshot Maxthon 3
Maxthon 3: Besticht durch tolle Tools.

 

Ein schlanker Internet Explorer: Der SlimBrowser

Den SlimBrowser möchte ich hier eigentlich eher der Vollständigkeit halber aufführen. Immerhin versucht er den Internet Explorer (9) sicherer und benutzerfreundlicher zu machen. Ich nutze den Internet Explorer eigentlich nur zu Testzwecken aber da kommt der SlimBrowser dem Webworker mit seinen verschiedenen Kompabilitätsmodi (IE7, IE8, IE9) sogar zugute.

Screenshot SlimBrowser
Der SlimBrowser lässt sich in verschiedene Kompabilitätsmodi umschalten

 

Für Entwickler: Lunascape

Lunascape ist ein besonderer Browser. Er kommt mit einer Triple-Engine, das bedeutet, ich kann zwischen Trident (IE), Gecko (Mozilla) und Webkit (Safari, Chrome) umschalten. Dem aber noch nicht genug, denn die Browserfenster, die in Tabs organisiert werden, lassen sich nebeneinander darstellen. Das ermöglicht einen schnellen Direktvergleich zwischen den verschiedenen Engines.
Es gibt ein Plugin-Center, leider ist die Seite (zur Zeit) noch auf Japanisch und nicht besonders gut sortiert. Dafür ist das Skin-Center umso umfangreicher und in Englisch. Aber braucht ein Entwickler Skins?

Screenshot: Lunascape
Lunascape und die Triple-Ansicht

 

Wer kennt ihn nicht: SeaMonkey

SeaMonkey ist ein Projekt der Mozilla-Foundation und gilt als Nachfolger des Netscape Communicators. SeaMonkey enstand aus einem Open-Source Entwicklungsmodell und wird weiterhin von Mozilla weiterentwickelt. Das sympathische Konzept und die hohe Konfigurierbarkeit machen den Browser interessant.
Unbedingt erwähnenswert ist auch der HTML-Editor, eine WYSIWYG-Editor namens Composer, der mit dem Browser ausgeliefert wird.

Screenshot: SeaMonkey
SeaMonkey und der DOM-Inspektor

 

Der Exot für Inder, Wahlinder und Indien-Fans: Epic

Diesen Browser führe ich hier nur auf, weil er ein echt interessantes Konzept vertritt. Er ist nicht spezialisert auf ein bestimmtes soziales Netzwerk, sondern auf eine ganze Bevölkerungsgruppe. Die Inder. Epic besitzt eine Sidebar, die alle Features enthält. Dort kann man die Skin nach indischen Motiven gestalten, seinem Netzwerk fröhnen oder sogar Texte in verschiedenen indischen Schriften verfassen. Bedenkt man, wie viele Einwohner Indien hat, muss die Zielgruppe schon beträchtlich sein.
Der Browser baut auf die Gecko-Engine, liegt zeitlich allerdings etwas zurück…

Screenshot: Epic
Schön anzusehen: Der Epic-Browser

 

Zac – Ein Browser für autistische Kinder

Der Zac Browser (Zone for autistic children) erscheint nicht im Benchmark-Test, denn er wurde für eine ganz spezielle Zielgruppe konzipiert, autistische Kinder. Ich bin kein Mediziner und kann den Wert dieses Browsers nicht einschätzen, aber möchte ihn hier trotzdem erwähnen. Grafisch ist er wunderbar gestaltet und bietet ein Icon-Menü, welches intuitiv zu bedienen ist.

Screenshot Zac Browser
Der Zac Browser für autistische Kinder

 

Fazit

Der Blick über den Tellerrand hat sich für mich gelohnt. Ich habe nicht nur den Browser Iron für einen intensiveren Langzeittest entdeckt, sondern auch gesehen, dass es viele ambitionierte Entwickler und ehrgeizige Projekte gibt, die noch mehr aus den uns bekannten Browsern herauskitzeln können.

comments powered by Disqus