Google+. Hinter der Timeline geht’s weiter…

von Henry Zeitler

Die Diskussionen der letzten Tage um Gedeih und Verderb des Social Networks Google+ drehen sich in erster Linie um die Anzahl der Nutzer und um die Dichte der Aktivitäten. Dabei wird oft vergessen einen Blick hinter die Timeline zu werfen um die gesamte Fülle der Google-Aktivitäten zu erfassen. Und um zu erkennen, dass die Strategie weit über die Etablierung von Google+ als reines Social Network hinaus geht.

Ein Blick hinter die Timeline.

Google ist und bleibt die größte und meist genutzte Suchmaschine im Netz. Google hat Zugriff auf eine unglaubliche Menge an Informationen weltweit und kann aufgrund von ausgefeilten, über Jahre hinweg entwickelten Suchalgorithmen die angeforderten Zeichenketten hervorragend miteinander vergleichen und als Suchergebnisse ausliefern.
Zeichenketten deshalb, weil die Suchmaschine nicht in der Lage ist deren Bedeutung zu erkennen. Wichtungen, Relevanzen und Ähnlichkeiten schon, aber die wahre Bedeutung der Inhalte bleibt ihr verborgen. Noch.

Wenn Google eins besitzt, dann ist es Zeit. Viel Zeit. Denn eine Firma oder Institution, die quasi konkurrenzlos auf ihrem Sektor ist, muss sich nicht beeilen, wenn es um die Umsetzung ihrer Projekte und Ziele geht. Selbst das Scheitern einiger Vorhaben, wie z. B. Google Waves, stellt keine Gefährdung dar, sondern sorgt eher für Erfahrungswerte. Und mit dieser Sicherheit strickt Google an seinem bislang größten Projekt.

 

Google und das Semantic Web

Und im Juni 2011 verkündete Google zusammen mit Bing und Yahoo! die Unterstützung von Microdata, genauer gesagt von schema.org. Dabei stellen Microdata, Microformats oder RDFa – zusammenfassend Rich Snippets genannt – eigentlich keine Neuerscheinungen dar. Microformats sind seit geraumer Zeit recht weit verbreitet und werden von eingeweihten Webdesignern implementiert und empfohlen (z. B. hcard, hfeed).

Mit schema.org hat sich Google also für eine relativ unverbrauchte Syntax entschieden, die durch ihre Implementierung über Attribute (nicht mittels Klassen wie bei Microformats) auf der einen Seite zwar nicht unbedingt intuitiv ist, aber auf der anderen Seite mehr Freiheiten für die Erweiterung der Annotationen bietet. So kommen nach und nach neue Schemas (z. B. zur Auszeichnung von Videos) hinzu.
Und obwohl der große Ansturm noch ausbleibt, kann Google die Entwicklung gelassen betrachten. Denn Google hat Zeit.

 

Google+ ist der Kern, das Web die Frucht

Grafik, Google Plus als kern des Google Kosmos
Google+ bildet das Zentrum

Google+ bildet den Kern von Googles Semantic Web und fungiert dabei als Katalysator. Hier werden die Informationsgeber und ihre Informationen zusammengezogen und gebündelt. Dabei ist es auf lange Sicht nicht relevant, ob Informationen auf der Plattform Google+ selbst generiert werden oder nur verknüpft, bzw. veröffentlicht. Relevant ist, dass Google Informationen von Webseiten aus erster Hand erfasst und zur Verfügung stellt. Das macht Facebook über Open Graph und seine Apps auch schon seit geraumer Zeit und mit gutem Erfolg. Allerdings ist die Ausgangsposition von Google als etablierte Suchmaschine mit gutem Draht nach draußen für diese Zwecke wesentlich komfortabler.

Google empfiehlt die Einrichtung und regelmäßige Pflege einer Google+ Page. Die Verknüpfung der Google+ Page mit einem entsprechenden Pendant in Form einer Internetseite z. B. über einen Author-Tag belohnt Google in den SERPs. Angemeldete User sehen hier nicht nur den normalen Eintrag, sondern zusätzlich das Foto sowie einen Plus-One-Button. Das sorgt für Traffic und erhöht den Reiz sich anzumelden. Google macht dann auch den nächsten Schritt, nennt das ganze “Search, plus Your World” und liefert bevorzugt Ergebnisse aus, die sich auf Personen aus den Circles beziehen oder von denen empfohlen wurden (PlusOne).

 

Fazit

Wer sich jetzt noch fragt, ob Besucherzahlen, Verweildauer und Aktivitäten auf Google+ eine tragende Rolle im Google-Kosmos spielen, dem sei gesagt: Nicht wirklich. Sollte Google die Implementierung von schema.org weiter voran treiben und somit ein “Search, plus Your World“-Semantic Web schaffen, wird Google+ als Social Network sowieso einen unglaublich hohen Stellenwert einnehmen und der Grundstein für die Intentional-Search, bei der die Suchabsicht des User erkannt werden soll, wäre gelegt.

Die oben aufgeführten Darstellungen resultieren aus meiner Arbeit mit schema.org und Beobachtungen über Google und Google+. Sie erheben keinen Anspruch auf absoluten Wahrheitsgehalt und Vollständigkeit sondern sollen nur als Denkanstoß dienen.

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